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Die Schiffmühle Minden

 

Zum 1.200jährigen Stadtjubiläum Mindens im Jahr 1998 entstand die Idee: Die Rekonstruktion einer Schiffmühle aus dem 18. Jahrhundert, wie sie bis ins 19. Jahrhundert auf der Weser in Minden gelegen und gemahlen haben. Jetzt fasziniert das Erlebnis, wenn das Knacken des hölzernen Getriebes der Schiffmühle sich mit dem Rauschen des Wassers vermischt. Zu besichtigen ist die Mindener Schiffmühle von April bis Oktober, dienstags bis sonntags und an den Feiertagen von 11 bis 18 Uhr an der Weserpromenade südlich der Fußgängerbrücke über die Weser. Mit rund 25.000 Besuchern in der rund siebenmonatigen Saison zählt die Schiffmühle Minden zu den meist besuchten musealen Einrichtungen im Mühlenkreis Minden-Lübbecke. 

 

Historie, Theater, Musik und mehr

 

Unmittelbar an der Schiffmühle erwartet die Schiffmühlen Gastronomie mit Biergarten und überdachter Terrasse, die während der Schiffmühlen-Saison von dienstags bis sonntags geöffnet ist, die Besucher. Im Winter gibt es geänderte Öffnungszeiten.

Während der Sommermonate und im Herbst finden Kulturveranstaltungen auf der Schiffmühle statt. Darunter Theater- und Musikabende sowie Lesungen wie beispielsweise von der freien Mindener Autorenvereinigung “Die Lesebühne”, die sogar ein Gedicht auf die Schiffmühle verfasste. Seit dem Sommer 2008 steht Freunden des Boulesportes eine wettkampftaugliche Boulebahn unmittelbar an der Weser zur Verfügung. 

 

Mühlenbauhof Frille baut Schiffmühle

 

Die Planung, Konstruktion und Bauausführung der rekonstruierten Mindener Schiffmühle, die 1998 auf der Weser vor Anker ging, wurde vom damaligen Leiter des Mühlenbauhofes des Kreises Minden-Lübbecke in der Nachbarstadt Petershagen-Frille, Wolfgang Kuhlmann, ausgeführt. Einem Mann, der schon bei der Instandsetzung von mehr als 40 historischen Wind- und Wassermühlen im “Mühlenkreis Minden-Lübbecke” Erfahrungen gesammelt hatte. Als Mühlenexperte konnte er für die Schiffmühle aus verschiedenen Quellen Informationen zusammenstellen und Fehlendes einfügen. Vor allem aus Eichenholz wurde die rund  226.000 Euro teure Mühlen-Rekonstruktion erstellt. Nur für den Unterbau des Daches wurde Lärchenholz verwandt. Unterhalten wird die Schiffmühle vom Verein Schiffmühle Minden e.V., der auch für den Betrieb der Schiffmühle sorgt. Die Mitglieder des Vereins sind ausschließlich ehrenamtlich tätig. Zudem beschäftigt der Trägerverein drei hauptamtliche Schiffmüller, von den zwei zuvor in speziellen Förderprojekten für Langzeitarbeitslose beziehungsweise ältere Arbeitnehmer tätig waren. 

 

Von Haus- und Wellschiffen

 

Der Schiffskörper mit dem großen Hausschiff (13 Meter lang, vorne 4,40, hinten 5,65 Meter breit) und dem kleineren Wellschiff (Länge 11,60 Meter, vorne 1,25, hinten zwei Meter breit) als Auflager für die Wasserradwelle besteht aus Stahl - aus Haltbarkeitsgründen. Die Mahltechnik und die Beutelkiste, in der das Mehl ausgesiebt wird, in dem elf 

Meter langen und sechs Meter breiten Mühlengebäude dagegen entspricht wieder alter deutscher Bauart. Der Antrieb der so genannten Kamm- und Korbräder aus Holz und letztlich des rund 800 Kilogramm schweren Mahlsteines im frei stehenden Mühlenbett erfolgt durch die Wasserkraft der Weser, die die zehn jeweils fünf Meter breiten Schaufeln des eichenen Wasserrades mit seinen fünf Metern Durchmesser antreibt. Die Mindener Schiffmühle ist die einzige betriebsbereite Schiffmühle auf einem Fluss in Deutschland, in der der Weg des Getreides bis zu Schrot und Mehl genau verfolgt werden kann. 

 

 

Die Ostgoten sind schuld

 

Die ersten Schiffmühlen, die urkundlich erwähnt wurden, stammen aus dem Jahr 536 nach Christi Geburt. Die Ostgoten belagerten Rom und kappten die Wasserzufuhr zu den Wassermühlen in der Stadt, um die Römer auszuhungern. Daraufhin ließ ein römischer Feldherr im Tiber Kähne verankern, auf denen Mahlwerke von Landmühlen errichtet wurden. Als Antrieb wurden zwischen den Kähnen Wasserräder in die Strömung des Tiber gehängt. 

 

Vor allem im Mittelalter und in der jüngeren Neuzeit wurden auf allen größeren mitteleuropäischen Flüssen Hunderte Schiffmühlen eingesetzt. Deren Leistung allerdings war stets gering. So schrieb um 1850 ein Mühlenbau-Meister, dass eine solche Schiffmühle „schwerlich etwas Beträchtliches leisten könne“.

 

Die erste urkundliche Erwähnung von Mindener Schiffmühlen geht auf das Jahr 1326 zurück, als die Stadt gleich sechs Liegeplätze für Schiffmühlen auf der Weser verpachtete. Damit gehört Minden zu den ältesten Schiffmühlen-Standorten in Deutschland. Auf einem Minden-Kupferstich von Wenzel Hollar aus dem Jahr 1650 sind zwölf Schiffmühlen zu sehen, die auf dem Fluss im Schutz der Stadtmauer gestaffelt nebeneinander lagen. Zu dieser Zeit sind zwei verschiedene Schiffmühlen-Typen bekannt. Bei einem Typ befinden sich Wasserräder auf beiden Seiten des Hausschiffes, bei dem anderen ein Wasserrad zwischen Hausschiff und  Wellschiff – wie bei der Mindener Schiffmühle.

 

Die Kräfte der Natur und kriegerische Handlungen beseitigten die Schiffmühlen auch in Minden zusehends. So zerstörten schwedische Truppen während des 30jährigen Krieges im Jahr 1634 zu Beginn ihrer Belagerung der kaiserlichen Truppen in der Weserstadt die Mindener Schiffmühlen durch Artilleriefeuer. Als sich Anfang des 19. Jahrhunderts die Dampfschifffahrt auch auf der Weser verstärkt durchsetzte und die Schiffmühlen „im Weg“ lagen, verschwanden die schwimmenden Mahlwerke zusehends von der Wasserstraße. Der Beschluss des Wiener Kongresses, dass die Benutzung aller Wasserstraßen jedermann frei stehe, bedeutete das Ende der Schiffmühlen. Anfang des 19. Jahrhunderts lag vermutlich noch eine Schiffmühle vor den Mauern der Stadt Minden, wie eine Stadtansicht des Malers Strack aus den Jahren 1803/1807 zeigt. 1907 stellte die vermutlich letzte Schiffmühle auf der Weser in Bodenwerder, in der Schleif- und Polierarbeiten für die Bearbeitung von Obernkirchener Sandstein durchgeführt wurden, den Betrieb ein. 

 

 

 


 

 

 

 

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Schiffmühle Minden e.V. | info@schiffmuehle.de